Appeal to the Youth of All Nations – Aufruf an die Jugend der Nation

Ruhrtriennale 2018

In seinem Schaffen untersucht der amerikanische Künstler Olu Oguibe in unterschiedlichen Medien zumeist politische und soziale Umstände und stellt Räume für Reflexion und Debatte her. In letzter Zeit entstehen oft eindrucksvolle skulpturale Formen, die er mit einer textlichen Botschaft versieht. So z. B. der sechs Meter hohe Obelisk mit der Inschrift „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“, den er für die documenta 14 auf den Königsplatz in Kassel gestellt hat. Bei seinen Vorbesuchen für die Ruhrtriennale 2018 erlebte Olu Oguibe das Ruhrgebiet als einen Ort, der sich unter anderem durch eine Fülle von „Kunstwerken“ im öffentlichen Raum auszeichnet, die uns aus der Zeit der Schwerindustrie hinterlassen wurden. Oguibe möchte den Industriebrachen keine weiteren Objekte hinzufügen, sondern versucht, die vorhandenen architektonischen Strukturen als künstlerische Skulpturen sichtbar werden zu lassen. So entwickelt er eine soziale Intervention in Form einer textbasierten Skulptur auf dem Gelände der Jahrhunderthalle Bochum. Zu jeder Zeit frei zugänglich zeigt sie einen universellen Aufruf an die Jugend aller Nationen in drei Sprachen: auf Deutsch und Englisch, da dies die im europäischen Raum meist verbreiteten Sprachen sind – und auf Romani, als derjenigen Sprache, die eine große Minderheit repräsentiert und für eine der frühesten migrantischen Gruppen in Europa steht. Ergänzend zu seiner Skulptur realisiert Olu Oguibe vor Ort ein Recherche- Projekt mit jungen Menschen: Die letzten Zechen schließen 2018 und zwei Jahrhunderte Industriegeschichte gehen zu Ende. Sie haben das Ruhrgebiet geprägt und mit ihr sind unzählig viele individuelle Erfahrungen und Erzählungen verbunden. Schon jetzt verblassen diese Geschichten und ihre Gesichter, eine Ära neigt sich ihrem Ende zu. Um diesen Übergang zu markieren, begibt sich Olu Oguibe mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen in die Fotoarchive des Ruhrgebiets und wählt ikonische Bilder aus, die sie im Foyer der Jahrhunderthalle Bochum zeigen. Olu Oguibe studierte Kunstgeschichte in London und war bis vor kurzem Professor für Kunst an der Universität von Connecticut / USA. Er ist ein großer Kenner der afrikanischen und afro-amerikanischen Kunstszenen. Neben seiner künstlerischen Praxis ist er kuratorisch tätig.

Ein Auftragswerk der Ruhrtriennale. Courtesy Olu Oguibe und KOW, Berlin. Gefördert durch den Kemnader Kreis e. V.

 

Infos

  • 17.08.2018 - 23.09.2018
  • Kultur
  • Eintritt frei!