Architektur

Kathedrale aus Stahl, Glas und Stein.

Die Jahrhunderthalle Bochum besticht durch ihre einzigartige Architektur – einem kathedralenartigen Aufbau aus insgesamt 8 stählernen Bogenbindern. Diese entstand bereits 1902 und wurde im Laufe der Jahre durch moderne Elemente aus Stahl und Glas ergänzt.

Die heutige Halle 1 z.B. wurde ursprünglich als Austellungspavillon für die Industrie- und Gewerbeausstellung 1902 in Düsseldorf entworfen. Sie beinhaltete einen Glockenturm zur Präsentation der damals wichtigsten Erzeugnisse des Bochumer Vereins. Daher auch ihr Kathedralen-ähnlicher Aufbau. Nach Rücktransport der Halle nach Bochum wurden die ursprünglich verbauten sieben Binderbögen der Basilika durch einen 8. Bogen ergänzt. Nach jahrzentelanger Nutzung als Gaskraftzentrale, wurde die Halle durch das Architekturbüro Petzinka Pink aus Düsseldorf in ein Festspielhaus für das Kulturfestival Ruhrtriennale umgebaut. Ein lichtdurchflutetes Foyer, moderne Infrastruktur und aufwändige technische Ausstattung ergänzten den industriellen Charme der Halle. Mal ist sie Klangkörper, dann wieder Bühne. Und eine Woche später Austragungsort eines Banketts.

Flexibel muss eine Halle sein, der ein solches Programm in den Jahresplan geschrieben wird. Dabei ist die Jahrhunderthalle Bochum einst als zweckmäßiger Industriebau konzipiert worden. Doch seit dem behutsamen Umbau durch das Architekturbüro Petzinka-Pink ist sie in der Region und darüber hinaus Symbol für einen gelungenen Grenzgang zwischen Moderne und Tradition. Drei flexibel einteilbare Hallen bieten idealen Boden für Messen und Konzerte, großes Theater und kleine Experimente. Stahl und Glas formen ein gigantisches Portal über die gesamte Länge der Halle, das Zugang zu einem lichtdurchfluteten Foyer bietet. Hier empfängt den Besucher eine Atmosphäre des Aufbruchs und der Ruhe. Mehrere Bars, wohl komponiert über zwei Ebenen verteilt, geben dem Entree einen Lounge-Charakter, der zum Verweilen einlädt.

Historie

Vergangenes, das so gegenwärtig ist, braucht eine Bühne. Wie trefflich, wenn es gar selbst eine solche besitzt.

Die Jahrhunderthalle Bochum mit dem angrenzenden Westpark gehört zu markanten Eckpfeilern einer Industriekultur, wie sie typisch für das Ruhrgebiet im 21. Jahrhundert ist. Modern und aufgeschlossen, aber immer auch der eigenen Wurzeln bewusst. So steht die Jahrhunderthalle Bochum letztlich für einen Geist der Erneuerung. Und für den Brückenschlag, der Altes mit Jungem verbindet.

Gerade einmal 4.000 Einwohner zählte Bochum, als Jacob Mayer 1842 eine für die Stadt folgenreiche Entscheidung traf. Der Unternehmer gründete seine „Gussstahlfabrik Mayer und Kühne“ und sorgte so dafür, dass in Bochum die Industrialisierung Einzug hielt. Bald schon änderte sich der Name der Firma in „Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation“. Das Gelände war nahezu vollständig mit Produktionsanlagen bebaut. Bevor hier auch die Jahrhunderthalle ihren Platz fand, diente sie aber dem Bochumer Verein 1902 in Düsseldorf als Ausstellungshalle. Dort fand zu diesem Zeitpunkt die so genannte „kleine Weltausstellung“, eine Industrie- und Gewerbeschau, statt. Der Architekt Heinrich Schumacher entwarf die Halle unter der Maßgabe einer späteren Verwendung auf dem Werksgelände. Und in der Tat wurde der imposante Bau 1903 nach Bochum transloziert.

Friedensglocken von Hiroshima stammen vom Bochumer Verein

Als Gaskraftzentrale sollte die Halle künftig buchstäblich die Energie für eine weitere Expansion des Unternehmens liefern. 1920 beschäftigte der Bochumer Verein 17.000, in den späteren Jahren sogar rund 22.000 Menschen. 

Die Berliner Olympiaglocke, die Jahrhundertglocke der Frankfurter Paulskirche und die Friedensglocken in Hiroshima sind die wohl berühmtesten Erzeugnisse des Unternehmens. Während der Weltkriege war der Bochumer Verein eines der größten Rüstungsunternehmen. In den Nachkriegsjahren Jahren entstand dort eine breite Palette von Stahlerzeugnissen. I965 fusionierte man zur „Friedrich Krupp Hüttenwerke AG“. 1968 wurden die letzten Hochöfen stillgelegt, die Maschinen in der Gaskraftzentrale abgebrochen.

Weit mehr als eine bloße Industriebrache

Nach der Stilllegung der Jahrhunderthalle Bochum suchten die Stadt Bochum und das Land NRW nach Möglichkeiten zur Nutzung des immensen Industrieareals. Infolge der Übergabe des etwa 34,5 Hektar großen Geländes an die Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG) wurden Ende der 1980er Jahre entscheidende Weichen gestellt.

Im Rahmen eines Workshops sollten renommierte Planungsbüros ein Konzept für das Areal entwickeln. Der erste Einsatz der Jahrhunderthalle Bochum als Spielstätte fand bereits 1991 im Rahmen eines gemeinsamen Konzerts der Bochumer Symphoniker und der Radio-Philharmonie Leipzig statt. Schon damals deutete sich trotz seines unrenovierten Zustandes an: Dieser Ort ist weit mehr als eine bloße lndustriebrache.

Gefeierte Hauptspielstätte der Ruhrtriennale

In den folgenden Jahren wuchs die Bedeutung der Halle, die unter Denkmalschutz gestellt wurde, für das kulturelle Leben der Region stetig. Sie wurde einer der Hauptankerpunkte der „Route der Industriekultur“, die 25 herausragende Zeugnisse der Industriekultur miteinander verbindet. Als 1999 der umliegende Westpark eröffnete, wurden die Pläne für den Umbau der Halle konkreter.

Ein Architekturwettbewerb wurde ausgelobt. Der Siegerentwurf des Büros Petzinka Pink aus Düsseldorf basierte auf der ldee, die Industriekathedrale als Festspielhaus für die Ruhrtriennale zu nutzen. Seit 2003 ist die Jahrhunderthalle Bochum die Hauptspielstätte der Ruhrtriennale. Dank herausragender Ruhrtriennale-Produktionen wie Mozarts „Zauberflöte“, Messiaens „Saint Francois d’Assise“, Claudels „Der seidene Schuh“, der 2006 gefeierten Neuinszenierung der imposanten Oper „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann oder die 2009 inszenierte Oper „Moses und Aaron“ ist sie zu einem der bedeutendsten Festspielhäuser der Gegenwart geworden. Pro Jahr zieht es viele Besucher aus aller Welt nach Bochum.

Promis, Preise & Co.

Gemeinsam mit dem Westpark ist die Jahrhunderthalle Bochum aber auch ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und Radfahrer. Jährlich feiert die deutsche Musikszene hier verschiedene Preisverleihungen wie etwa die „1Live-Krone“. Zudem tagt in der Halle auch die Prominenz aus Politik und Wirtschaft bei Galas und Bundesparteitagen.

Außerdem finden auf dem Außengelände Festivals statt, welche weltberühmte DJ’s nach Bochum holen. Die Jahrhunderthalle Bochum steht also nicht nur für den erfolgreichen Strukturwandel der Region, sondern ist mit ihrer unvergleichlichen Atmosphäre auch ein Symbol für die Zukunft.