Nachtraum – AUSVERKAUFT

Im Rahmen der Ruhrtriennale

Im Einschlafen, kurz bevor das Unterbewusstsein das Zepter übernimmt, hält der noch luzide Geist den Schlüssel zu einer zeitvergessenen Welt voller Weisheit, Fantasie und Angst in der Hand. Auf Matten gebettet, taucht das Publikum mit dem Klangforum Wien in einen monumentalen Nachtraum ein und folgt nacht- und dunkelheitsaffinen Komponist:innen auf unterschiedlichen Wegen in dieses unergründliche Zwischenreich.

Vor der deutschen Erstaufführung von Ragnhild Berstads neuem Werk trānseō entlässt Mirela Ivičević das Publikum mit ihrem verstörenden Gutenachtkuss Sweet Dreams in die unberechenbare Sphäre der Nacht. Mitten in einem sechseckigen Klangraum archaisch roher Perkussionsmusik findet es sich in Iannis Xenakis’ Persephassa wieder, von wo Emmanuel Nunes mit seiner Nachtmusik das Tor zu einer nächtlichen Nostalgie auftut, die wie ein sanfter Spuk die Gegenwart aufsucht. Im Herzen des Nachtraumes schlummern Fragmente aus Rebecca Saunders’ traumwandlerischem Meisterwerk Yes, einer großen Ensemblekomposition, in der sie mit Molly Blooms letztem Monolog aus James Joyces Ulysses den schmalen Grat zwischen Schlaf- und Wachzustand entlangbalanciert.

Aus dem tiefen Nachttaumel schlägt Gérard Grisey mit Vers la lumière du jour den Weg in Richtung Tag ein, doch Salvatore Sciarrino zwingt mit Verweis auf die engen Bande zwischen Schlaf und Schlafes Bruder im Klarinettensolo Let me die before I wake wieder zur Umkehr. Georg Friedrich Haas schließlich hüllt den Raum mit seinem 3. Streichquartett In iij. Noct. in einen Mantel absoluter Dunkelheit und taucht alles in einen Rausch der Zwischentöne.

© Jörg Brüggemann

Infos

  • 25.09.2021
    22:00 Uhr
  • Kultur