Filiseti Mekidesi (In Search Of Santuary)

Ruhrtriennale 2018

Die Wörter „Filiseti“ und „Mekidesi“ bedeuten Schutzraum und Migration in amharischer Sprache, die in Äthiopien und Eritrea gesprochen wird, wo der Ursprung der Menschheit liegen soll. Migration und die Suche nach Zufluchtsorten sind integral verbundene Aspekte nicht nur menschlicher Existenz seit ihren Anfängen. Alle Kreaturen teilen diese Erfahrungen, alle suchen einen sicheren, geschützten Ort. Wanderungen von Populationen sind konstitutive und immer wiederkehrende Prozesse, durch die sich Zivilisationen ausbreiten und entwickeln. Selten aber verläuft Migration konfliktarm, meist resultiert sie aus Bedrohung und Vertreibung, Elend und Armut. Selten sind Immigranten willkommen, häufig werden sie nur widerwillig aufgenommen oder direkt abgewiesen. Zuwanderung kann Bevölkerungs- und Gesellschaftsstrukturen unter Druck setzen und starke Veränderungen auslösen.
Filiseti Mekidesi ist eine Meditation über die Suche nach dem sicheren, gefahrlosen, neutralen Ort. Filiseti Mekidesi erzählt keine fortlaufende Geschichte. Mit musikalisch-poetischen Mitteln spiegelt das Werk Momente und Situationen, die sich im Lauf der Geschichte ereignet haben oder sich gerade in besonderer Dringlichkeit ereignen. Filiseti Mekidesi bietet weder Analyse noch Lösungen: Es ist eine audio-visuelle Reflexion und psycho-akustische Beobachtungsstation, sowohl Oper wie Installation. Die Turbinenhalle in Bochum bietet variable Flächen für verschiedene Aktionen und Prozesse. Die Besucher und Besucherinnen sind eingeladen herumzuwandern, um diverse Stationen mit kleinen Performances oder elektronisch vorproduzierten Klang-„Schatten“ aufzusuchen. Neben der Musikfabrik sind das 6-köpfige Vokalensemble Voxnova Italia und die palästinensische Sängerin Kamilya Jubran beteiligt. Für Elliott Sharp als einem herausragenden Protagonisten der zeitgenössischen amerikanischen Musik kommen typische Kompositions- und Spielweisen zum Tragen: kombinatorische Ströme, Verkettungen und Loops musikalischer „Moleküle“, chaotische Strukturen, aus denen resonante rhythmische Muster wachsen, klangfarbliche Kontrapunkte, Melodienbildungen aus Obertönen, erweiterte Spieltechniken zur Erzeugung neuer virtueller „Instrumente“. Multiperspektivische Videobilder schaffen Verbindungen von Klang und visueller Aktion. Fast hundert Jahre nach der Raumkomposition Universe Symphony entwickelt Elliott Sharp mit Filiseti Mekidesi eine raumgreifende Opera Installation, die aus der Sicht des 21. Jahrhunderts eine Brücke zum visionären Fragment der „universalen Symphonie“ von Charles Ives schlägt, das am Beginn der Ruhrtriennale 2018 steht. Zwei Musikwerke, die den Rahmen des Üblichen weit hinter sich lassen, die über Begrenzungen von Raum und Zeit hinausführen und eine Klammer für die Gesamtprogrammation schaffen.

Ein Auftragswerk der Ruhrtriennale. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Kunststiftung NRW.

Infos

  • 05.09.2018 - 06.09.2018
    21:00 Uhr
  • Mittwoch, 05.09.2018: 21:00 Uhr
    Donnerstag, 06.09.2018: 21:00 Uhr

  • Kultur
  • Kartenpreis: 30,00 €; erm. 20,00 €