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Ritournelle (Festivalnacht der elektronischen Musik)

19.8.2017 Bochum, Jahrhunderthalle
Beginn: 18:00 Uhr.

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Kartenpreis: 45,00 €; erm. 22,50 €

Zum dritten und letzten Mal findet das Festival im Festival auf dem Gelände der Jahrhunderthalle Bochum statt. Bands, Live-Acts und DJs präsentieren unterschiedliche Stil- und Spielarten zeitgenössischer elektronischer Pop-Musik. Auf insgesamt vier Bühnen wird bis in die frühen Morgenstunden gefeiert, getanzt und geliebt.

Main Stage
Die Main Stage in der Jahrhunderthalle wird in diesem Jahr angeführt von dem chilenischen Solo-Künstler Nicolas Jaar. Zu Beginn seiner Kariere fiel Jaar als besonderes Talent im Kontext von House-Musik auf. Seine Tracks wiesen Referenzen an lateinamerikanische Musiktraditionen und US-amerikanischen Jazz auf und überzeugten durch einen vergleichsweise experimentellen Gestus im Hinblick auf die verwendeten Sounds. Auch sein eher von Disco und Synth-Pop beeinflusstes Projekt „Darkside“ hält die Balance zwischen schroffen Experimenten und großer libertinärer Pop-Geste. Nicolas Jaar hat seine Ecken und Kanten behalten. Umso spannender, dass seine Fans kontinuierlich wachsen und ihm auch durch unwegsames Gelände folgen.
Den „Soul der Maschinen“ nannte die Spex seinerzeit den Hybridsound zwischen R’n’B und Post-Dubstep, mit dem Christopher Taylor alias SOHN derzeit weltweit Aufsehen erregt. Bereits sein erstes Album „Tremors“ vor zwei Jahren brachte ihm Vergleiche mit James Blake, Jamie Woon und Konsortien ein, doch spätestens seit seinem aktuellen Longplayer „Rennen“ ist doch gewiss, dass SOHN vor allem wie SOHN klingt: Die atmosphärischen Synthwelten in Moll, die samtene Melancholie seines Falsetts und schließlich die perkussiv stolpernden Beats, mal komplex verschachtelt, mal in reißerischen vier Vierteln in die Unendlichkeit strebend. Manchmal denkt man, dass in einer besseren Welt SOHN längst die Charts dieser Welt anführen müsste. Der deutsch anklingende Projektname geht übrigens auf Taylors Wahlheimat Wien zurück, wo er einige Jahre verbrachte, bis es ihn am Ende dann doch nach LA verschlagen hat. Die Zeichen stehen auf Wachstum.
Mykki Blanco wird entweder als Rettung oder als Alptraum von HipHop beschrieben. Das weibliche Alter Ego des Performancekünstlers Michael David Quattlebaum Jr. stellt die Hegemonie des Rap-Patriarchats auf den Kopf, indem Blanco mit Frauen-Kleidern auftritt und Homosexualität explizit zum Thema macht, ohne Aufklärungsunterricht zu betreiben. Die New York Times fand, sie sei dabei eher ´avant-garde objet d’art` als Drag im klassischen Sinne. Ohne Zweifel gilt Mykki Blanco jedoch als schillernde Ikone einer neuen Queer-Bewegung in der Pop-Musik. Ihre Texte, ihre Erscheinung und nicht zuletzt die energetischen Bühnenshows dekonstruieren die herrschenden Dominanzsysteme im Pop-Business und öffnen den Blick für neue Ästhetiken und Perspektiven.

Wasserturm Open Air Stage: Hosted by Goethebunker
Ritournelle bei der Ruhrtriennale bedeutet auch eine mittlerweile seit drei Jahren andauernde Kollaboration mit dem Essener Club Goethebunker. Auch in dieser letzten Spielzeit wurde das Programm für den Außenfloor unter dem Wasserturm gemeinsam mit Booker und Resident Ahmet Sisman gestaltet. In dieser Saison haben wir Gerd Janson eingeladen: Ausnahme-DJ, Musik-Journalist und Betreiber des Running Back Labels, der zwischen Disco und House die schwierige Balance zwischen Klassizismus und Futurismus findet. Den Abschluss des Floors bildet ein DJ-Set des Berliner Produzenten und Komponisten Efdemin, der es wie kaum ein anderer versteht, Techno als opake künstlerische Form zu denken: In seinen Sets scheint nicht allein die Eleganz dieser maschinellen Ästhetik auf – sie wird auch vor dem Hintergrund musikhistorischer Entwicklungen reflektiert. Und tanzen kann man auch dazu. Unter seinem bürgerlichen Namen Phillip Sollmann präsentiert Efdemin zudem seine für das Instrumentarium Harry Partchs entworfene Komposition „Monophonie“ auf der Ruhrtriennale präsentieren wird. Darüber hinaus gibt es wie immer vollen Resident-Support vom Goethebunker.

Turbinenhalle: Denovali Showcase
In der Turbinenhalle liegt der Fokus in diesem Jahr auf dem im Ruhrgebiet beheimateten Denovali-Label. 2005 von Timo Alterauge und Thomas Hack gegründet, konzentriert sich Denovali konsequent auf Soundkulturen, die in ihrer Abseitigkeit und Sprödnis die Gegenseite des Pop-Mainstreams spiegeln: Im weiten Feld zwischen Electronica, Drone Metal und Leftfield-Techno finden sich bei Denovali KünstlerInnen aus aller Welt, und entsprechend hoch ist das internationale Renommee des Labels. Für Ritournelle liegt der musikalische Schwerpunkt auf der elektronischen Seite des Labels: Moon Zero, Ricardo Donoso und Orson Hentschel spannen ein Panorama zwischen Ambient, Kraut und Noise, während der Special Guests des Abends, Actress, zu späterer Stunde den abstrakten Dance Floor des Festivals eröffnen. Alle KünstlerInnen des Abends bringen zudem eine visuelle Komponente mit, so dass die Turbinenhalle in diesem Jahr erneut der Ort für besondere audiovisuelle Erfahrungen bei Ritournelle wird.
Zu guter Letzt wird es erstmals eine Kollaboration mit Interkultur Ruhr geben, die auf der Refektoriums-Bühne jene afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Einflüsse in den Fokus nehmen, die Clubmusik über mehr als 40 Jahre hinweg geprägt haben.

Cómeme / Kalakuta Soul Records / Interkultur Ruhr
Interkulturelle Pop- und Clubmusik ist ein globales Phänomen. Über alle Grenzen hinweg entstehen heute vernetzte Subkulturen, die sich unabhängig von der zumeist westlich geprägten Musikindustrie organisieren und eigene Wege gehen, eigene musikalische Erzählungen finden. Im Rahmen von Ritournelle bespielen Cómeme, Kalakuta Soul Records und Interkultur Ruhr das Refektorium, führen einige der thematischen Stränge aus ihrer gemeinsamen Beschäftigung zusammen und bringen sie auf eine größere Bühne. Zu erleben sind ein Live-Set der Band Africaine 808 (Golf Channel Recordings) sowie DJ-Sets von Coco Maria (Cashmere Radio), Charlotte Bendiks (Radio Cómeme) und DJ Maboku (Principe Discos). Aktuelle elektronische Stile aus Angola wie Kuduro treffen auf Vinyl-Raritäten aus Kolumbien und Brasilien – ein ästhetisch diverser Abend, dessen gemeinsamer Nenner die Beschäftigung mit dem musikalischen Erbe verschiedener Regionen des „globalen Südens“ und die Entwicklung eigener zeitgenössischer Clubsounds ist.
Präsentiert von Interkultur Ruhr und Cómeme in Kooperation mit Kalakuta Soul Records.

Eine Produktion der Ruhrtriennale in Zusammenarbeit mit dem Goethebunker Essen und Interkultur Ruhr.

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    Die Ruhrtriennale zeigt in sechs Wochen an einzigartigen nachindustriellen Spielorten, darunter auch die Jahrhunderthalle Bochum, zahlreiche Uraufführungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt. In der Jahrhunderthalle jagt ein Highlight das andere: Von Musiktheater (Monteverdis „Pelléas et Mélisande“) bis hin zu der langen Nacht der elektronischen Musik „Ritournelle“ ist für jeden etwas dabei.

    Gesamtprogramm unter: www.ruhrtriennale.de