SymbolWirkung

Gerade einmal 4.000 Einwohner zählte Bochum, als ein gewisser Jacob Mayer 1842 eine für die Stadt folgenreiche Entscheidung traf. Der Unternehmer gründete seine „Gussstahlfabrik Mayer und Kühne“ und sorgte so dafür, dass in Bochum die Industrialisierung Einzug hielt. Bald schon änderte sich der Name der Firma in „Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation“. Das Gelände war nahezu vollständig mit Produktionsanlagen bebaut. Bevor hier auch die Jahrhunderthalle ihren Platz fand, diente sie aber dem Bochumer Verein 1902 in Düsseldorf als Ausstellungshalle. Dort fand zu diesem Zeitpunkt die so genannte „kleine Weltausstellung“, eine Industrie- und Gewerbeschau, statt. Der Architekt Heinrich Schumacher entwarf die Halle unter der Maßgabe einer späteren Verwendung auf dem Werksgelände. Und in der Tat wurde der imposante Bau 1903 nach Bochum transloziert.

Friedensglocken von Hiroshima stammen vom Bochumer Verein

Als Gaskraftzentrale sollte die Halle künftig buchstäblich die Energie für eine weitere Expansion des Unternehmens liefern. 1920 beschäftigte der Bochumer Verein 17.000, in den späteren Jahren sogar rund 22.000 Menschen. Die Berliner Olympiaglocke, die Jahrhundertglocke der Frankfurter Paulskirche und die Friedensglocken in Hiroshima sind die wohl berühmtesten Erzeugnisse des Unternehmens. Während der Weltkriege war der Bochumer Verein eines der größten Rüstungsunternehmen. In den Nachkriegsjahren Jahren entstand dort eine breite Palette von Stahlerzeugnissen. I965 fusionierte man zur „Friedrich Krupp Hüttenwerke AG“. 1968 wurden die letzten Hochöfen stillgelegt, die Maschinen in der Gaskraftzentrale abgebrochen.

Weit mehr als eine bloße Industriebrache

Nach der Stilllegung der Jahrhunderthalle Bochum suchten die Stadt Bochum und das Land NRW nach Möglichkeiten zur Nutzung des immensen Industrieareals. Infolge der Übergabe des etwa 34,5 Hektar großen Geländes an die Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG) wurden Ende der 1980er Jahre entscheidende Weichen gestellt. Im Rahmen eines Workshops sollten renommierte Planungsbüros ein Konzept für das Areal entwickeln. Der erste Einsatz der Jahrhunderthalle Bochum als Spielstätte fand bereits 1991 im Rahmen eines gemeinsamen Konzerts der Bochumer Symphoniker und der Radio-Philharmonie Leipzig statt. Schon damals deutete sich trotz seines unrenovierten Zustandes an: Dieser Ort ist weit mehr als eine bloße lndustriebrache.

Gefeierte Hauptspielstätte der Ruhrtriennale

In den folgenden Jahren wuchs die Bedeutung der Halle, die unter Denkmalschutz gestellt wurde, für das kulturelle Leben der Region stetig. Sie wurde einer der Hauptankerpunkte der „Route der lndustriekultur“, die 52 herausragende Zeugnisse der Industriekultur miteinander verbindet. Als 1999 der umliegende Westpark eröffnet wurde, wurden die Pläne für den Umbau der Halle konkreter. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgelobt. Der Siegerentwurf des Büros Petzinka Pink aus Düsseldorf basierte auf der ldee, die Industriekathedrale als Festspielhaus für die Ruhrtriennale zu nutzen. Seit 2003 ist die Jahrhunderthalle Bochum die Hauptspielstätte der Ruhrtriennale. Dank herausragender Ruhrtriennale-Produktionen wie Mozarts „Zauberflöte“, Messiaens „Saint Francois d’Assise“, Claudels „Der seidene Schuh“, der 2006 gefeierten Neuinszenierung der imposanten Oper „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann oder die 2009 inszenierte Oper „Moses und Aaron“ ist sie zu einem der bedeutendsten Festspielhäuser der Gegenwart geworden. Pro Jahr zieht es viele Besucher aus aller Welt nach Bochum.

Promis, Preise & Co.

Gemeinsam mit dem Westpark ist die Jahrhunderthalle Bochum aber auch ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und Radfahrer. Jährlich feiert die deutsche Musikszene hier verschiedene Preisverleihungen wie etwa die „EinsLive-Krone“. Zudem tagt in der Halle auch die Prominenz aus Politik und Wirtschaft, etwa auf Festivals, Galas oder Bundesparteitagen. Die Jahrhunderthalle Bochum steht also nicht nur für den erfolgreichen Strukturwandel der Region, sondern ist mit ihrer unvergleichlichen Atmosphäre auch ein Symbol für die Zukunft.